Bio Energie Meditation
Erfahrungen und Hintergründe von Reiner Riegel
In In der Bio Energie Meditation wird durch Schütteln die körpereigene Elektrizität aktiviert und erhöht. Elektrizität zeigt sich als Licht und Wärme. Durch regelmäßiges Üben wird unser Körper mehr und mehr darauf trainiert, elektromagnetische Energie durch die Körperzellen zu transportieren. (Anmerkung: Mit "Elektromagnetischer Energie" und "Elektrizität" ist hier ein subjektiv wahrnehmbarer Energiestrom gemeint, der in der chinesischen Medizin "Chi", in indischen Yoga Schriften "Prana" genannt wird.) Da all unsere körpereigenen chemischen Prozesse durch elektromagnetische Energie aktiviert werden, erhöht sich durch das regelmässige Üben unsere Lebeskraft und Gesundheit. Unser Wohlbefinden auf allen Ebenen unseres Seins, - körperlich, emotional, mental – bleibt stabil, bzw. verbessert sich.
Ratu Bagus führt hier das Beispiel unserer Sonne an. Durch ihr Licht, ihre Strahlen, bringt sie Leben auf die Erde und erhält ihr Planetensystem. Ratu Bagus sagt, dass unser menschlicher Körper wie ein Sonnensystem arbeitet. Das Herz ist die Sonne unseres Körpers und treibt alle unsere Organe an so wie die Sonne die Planeten. Ohne die Sonne des Körpers, unser Herz, erlischt unser Leben.
Die moderne Wissenschaft hat die Existenz von Licht im Zellgewebe lebender Organismen festgestellt. Sie hat dabei festgestellt, dass eine Zelle, die ihr Licht (Photonen) verliert oder deren Lichtfrequenz inkohärent wird, erkrankt und schließlich abstirbt.
Insbesondere der deutsche Biophysiker Fritz-Albert Popp hatte das Licht, das er als Biophotonen bezeichnete, in den Körperzellen erforscht. Mittlerweile ist in der Wissenschaft die Existenz der Biophotonen unumstritten. Über deren Funktion in Zellen lebender Organismen streiten sich die Geister noch heute.
Vergegenwärtigt man sich die Wirkungsweise der Lichtenergie in der täglichen Praxis der Bio Energie Meditation, so stösst man auf bemerkenswerte und erstaunliche Resultate.Mir persönlich sind Menschen bekannt, deren Krankheiten mit den Möglichkeiten der modernen Medizin nicht geheilt werden konnten bzw. austherapiert waren, oder für deren Erkrankung es bis heute keine heilenden medizinischen Therapien gibt. Sie haben es geschafft, sich mit Hilfe der Bio Energie Meditation nachweisbar (anschließende medizinische Untersuchungen verliefen ergebnislos) selbst zu heilen. Darunter sind Fälle von chronischer Hepatitis B oder C, HIV-Infektion, Diabetes; Menschen mit Krebserkrankungen und Leukämie gewannen an Lebensqualität, da sie mit Zustimmung ihrer behandelnden Ärzte auf weitere medikamentöse Therapie, z. B. einer Chemotherapie, verzichten konnten.
Für die einheimische Bevölkerung in Bali stellt die Bio Energie Meditation oft die einzige Möglichkeit einer Therapie dar, da sie sich weder Medikamente noch ärztliche Behandlung leisten können.
Meine eigene Erkrankung ist eines dieser Beispiele. Ich habe die rheumatische Erkrankung spondylitis ankylosans, auch als Morbus Bechterew bekannt, die nach mehr als zwanzig Jahren bis zur Bildung einer sogenannten Bambuswirbelsäule (die Wirbelsäule versteift und verknorpelt bis sie aussieht wie ein Bambusstab) fortgeschritten war. An Körpergröße hatte ich 10 cm verloren, meine Körperhaltung war stark nach vorne gekrümmt. Als Folge der täglichen Einnahme hoher Dosen Schmerzmittel war mein Magen-Darm-Trakt in Mitleidenschaft gezogen und chronisch entzündet, ohne dass ich jedoch je frei von Schmerzen war. Medizinisch betrachtet gilt diese Krankheit als nicht heilbar, die Versteifung unumkehrbar.
Durch regelmäßiges Praktizieren der Bio Energie Meditation erlebte ich, dass die entzündlichen Schübe aufgehört haben und ich nun auf Medikamente verzichten kann. Meine Wirbelsäule hat sich bereits ein gutes Stück wieder aufgerichtet, mein Blick ist wieder nach vorne statt nach unten gerichtet. Die Beweglichkeit innerhalb der Wirbelsäule kehrt langsam wieder zurück. Entzündungen im Magen-Darm -Trakt sind Vergangenheit, mein Stuhlgang ist nach mehr als 20 Jahren Diarhoe oder Verstopfung wieder normal.
Mein Umgang mit der Krankheit hat eine positive Perspektive erhalten. Die Bio Energie Meditation eröffnet mir die Möglichkeit, aktiv meine Krankheit zu beeinflussen und diese Schritt für Schritt selbst zu heilen. Vor Ausübung der Bio Energie Meditation ließ sich die Krankheit mit den Möglichkeiten der Medizin, Medikamenten und Physiotherapie, nur verwalten. Trotz hoher Motivation bei der täglichen Gymnastik konnte ich das Fortschreiten der Krankheit nicht stoppen. Mein Kampf mit der Krankheit beschränkte sich darauf, den Istzustand so solange wie möglich versuchen zu halten mit der Erfahrung der fortschreitenden Verschlechterung. Diese Perspektive hat sich mittlerweile grundlegend verändert. Neue Lebensfreude ist eingegekehrt.
Bei der Ausübung der Bio Energie Meditation benutzen wir das Mantra „OM swastiastu Ratu Bagus“. Ratu Bagus hat dieses Mantra gewählt, da es leicht und für jeden aussprechbar ist. Der Zweck dieses Mantras liegt darin, den Verstand zu beruhigen, um in einen meditativen Zustand zu gelangen. Dadurch stellen wir eine Verbindung zu höher schwingender Energie her und können unsere Konzentration auf diese Verbindung halten.Diese höher schwingende Energie aktiviert den Heilungsprozeß in uns.
OM swastiastu ist der spirituelle Tagesgruß in Bali und ist mit dem im süddeutschen Raum geläufigen Tagesgruß „Grüß Gott“ vergleichbar. Ratu Bagus kann als guter König übersetzt werden.
In seinem Selbstverständnis sieht sich Ratu Bagus nicht als Lehrer, sondern als unser Freund und Motivator. In seinem Redebeiträgen hält er uns ständig dazu an, die Führung und Verantwortung für uns und unser Leben selbst zu übernehmen und aktiv zu gestalten. Er betont immerwährend, daß unsere Seele unser endgültiger Lehrermeister sei. Das credo in der Bio Energie Meditation liegt darin, die Stimme unserer Seele zu verstärken und sie zu erhören. Das will gelernt sein.
Aus diesem Grunde ermuntert uns Ratu Bagus auch immer wieder dazu, unsere eigenen Erfahrungen untereinander auszutauschen und dadurch von einander zu lernen. Diese Erfahrungen können unseren individuellen Heilungsprozeß betreffen oder Erfahrungen sein mit dem Spiel der Energie in uns selbst und um uns herum. Die Reden von Ratu Bagus sind selbst Ausfluss seines persönlichen Erfahrungsschatzes und des durch ihn kanalisierten Wissens aus höheren Ebenen.
Ratu Bagus hat über sich bzw. sein Wissen kein Wort je selbst niedergeschrieben. Schriftliche Publikationen über ihn und seine Vorträge sind von seinen Schülern festgehalten und veröffentlicht worden. Dazu zählen auch filmische und fotografische Dokumentationen von z. B. den Lichterscheinungen, sogenannten Orbs. Das von vielen Seiten zusammengetragene Informationsmaterial dient allen Schüttlern als Quelle der Inspiration und des Lernens.
Bislang gibt es ein Buch in indonesischer Sprache. Das Buch mit dem Titel „Bio Energie Meditation“ wurde von I Ketut Donder, Dozent für Kosmologie, Philosophie und Theologie an der Universität Denpasar verfaßt. Er hat die Bio Energie Meditation aus kosmologischer Sicht mit besonderem Augenmerk auf die Wirkungsweise spirituellen Heilens beschrieben.
Für sein spirituelles Wirken hat Ratu Bagus mitlerweile mehrere nationale wie internationale Ehrungen erhalten. Obwohl von Geburt her nicht der Kaste der Brahmanen zugehörig, wurde Ratu Bagus zum Brahmanen höchster Stufe in Anerkennung seines aussergewöhnlichen Wirkens durch gebürtige Bahmanen geweiht. Dies ist nach dem Brauchtum des Balinesischen Hinduismus in besonderen Fällen möglich. Die Weihung zum Brahmanen kann man mit der Berufung in das Pristeramt im Christentum in etwa vergleichen.
Eine Anzahl von Brahmanen mit gebürtiger Zugehörigkeit zu dieser Kaste sind Schüler von Ratu Bagus.
Schütteln für die Erleuchtung
Ganz zufällig stieß Eugene Jacobs während seiner Ferien auf Bali auf die Praxis des Schüttelns: eine Form der Meditation, wobei man seinen Körper schütteln lässt. Sein Körper wurde davon schnell elastisch, sein Kopf hatte beträchtlich mehr Schwierigkeiten damit.
In einem großen Gebäude am Rande von Rom stehe ich um sechs Uhr morgens und bewege mich rythmisch zu den schnellen Beats von Tanzmusik. Nein, ich bin nicht die Nacht durch versackt in einem Club. Ich nehme teil an einer fünf Tage dauernden Meditation unter Leitung des balinesischen Brahmanen und Heilers Ratu Bagus. Er ist im Westen noch nicht so sehr bekannt, dennoch zirkulieren eine ganze Menge Stories über seine besonderen Gaben.
Schütteln ist eine Form von dynamischer Meditation, wobei man seinen Körper in eine regelmäßige Schüttelbewegung bringt. Es soll Heilung bringen von ernsthaften Krankheiten, Drogenabhängigkeit, Stress und psychische Problemen.
Nun gebe ich schon eine Stunde mein Bestes und das einzige Resultat ist ein stechender Schmerz in meinen Knien. Außerdem wächst meine Irritation über das exaltierte Verhalten einiger Shaker. Das größte Unbehagen empfinde ich wegen Frau Hinnik. Selbst bei dem Krach von zweihundert Teilnehmern ist dem andauernden schnellen und kreischenden Gelache nicht zu entkommen. Es nimmt mir die letzten Reste von Konzentration, die ich noch aufbringen kann. Bin ich hierfür um halb sechs aufgestanden, um rechtzeitig zur ersten Session da zu sein? Verärgert laufe ich zu meiner kleinen Wasserflasche, die an der Wand des Raumes steht. Mit dem Rücken zur Wand sehe ich Ratu Bagus mit breitem Lachen durch die Schüttelnden gehen. Von Zeit zu Zeit berührt er jemanden, der daraufhin sofort in die verrücktesten Kapriolen verfällt. Als ob der oder die einen Stromschlag abbekommen hätten. Ich stelle mir vor, dass Ratu das auch mit mir machen würde. Besser, ich halte mich erst mal im Hintergrund.
Einfach mitmachen.
Es begann vor einigen Wochen so vielversprechend zufällig. An einem der letzten Tage unseres Urlaubs auf Bali fuhr ich mit meiner Freundin auf einem Motorrad diese kleine holperige Straße am Fuße des heiligen Berges Mount Agung entlang.
Auf der Suche nach Schutz vor einem herannahenden Schauer nahmen wir eine verkehrte Abzweigung und landeten so im Ashram von Ratu Bagus, seine spirituelle Lebensgemeinschaft. Wir hatten noch nie von ihm gehört, aber das machte unseren Empfang nicht weniger herzlich.
Einer seiner Mitarbeiter lud uns ein, bei der geraden anfangenden Bio-Energie Meditation mitzumachen. Meine Frage um Erklärung wurde freundlich weggewinkt.
‘Mach einfach mit und sieh zu, was so passiert.’ Und so standen wir kurze Zeit später in dem großen Saal des Ashrams zwischen einer großen Anzahl Balinesen und einigen Ausländern und schüttelten.
Schwierig ist das nicht gerade. Man sackt ein bisschen in die Knie und bringt den ganzen Körper dann in eine ruhige, regelmässige Schüttelbewegung, indem man von den Beinen ausgehend auf und ab wippt.
Schütteln ist eine jahrhunderte alte spirituelle Übung, die in vielen Kulturen bekannt ist. Bei Ratu’s Praxis wird Technomusik benutzt, um in den Rythmus zu kommen.
Bei mir passierte während dieses ersten Shakes nicht gerade viel. Das Benehmen von anderen erschien mir dann auch abwegig. Einige Shaker gerieten so sehr in Fahrt, dass sie sich heftiger und heftiger bewegten oder sich endlos um sich selbst drehten. Regelmäßig brach jemand in heftiges Lachen aus, wieder jemand anders rannte wie besessen durch den Saal oder rollte auf dem Boden. Das passierte vor allem, wenn Ratu jemanden berührte oder ansah. Über welch geheime Kräfte verfügte dieser kleine, ganz in Grün gekleidete Mann mit dem unwiderstehlichen Lachen?
Nach der Session sprach ich einige andere Teilnehmer an. Und ich war von ihren Geschichten beeindruckt. Zum Beispiel der von der vollkommen gelähmten Frau, die eines Tages auf einer Trage hereingebracht wurde. Nach einigen Wochen stand sie da und schüttelte aus eigener Kraft. In einem Flyer, den mir jemand gab, las ich, dass Ratu im Mai ein Retreat in Rom abhalten werde, ich beschloss mich anzumelden. Da musste ich dabei sein.
Außenseiter
Nach den ersten paar Sessions in Rom wuchsen meine Zweifel, ob ich da wohl eine gute Entscheidung getroffen hatte. Während ich rund um mich Menschen sah, die sich inspiriert bewegten und wie verzaubert zu sein schienen durch Ratus Gegenwart, fühlte ich mich als Außenseiter. Während einer Mittagspause kam ich ins Gespräch mit Jan, auch ein Anfänger in Sachen Schütteln. Aber für ihn hatte es offenbar ‘geklickt’. Er hätte noch nie jemanden getroffen, der so herzerwärmend authentisch sei, sagte er enthusiastisch. Derart offen und voller Mitgefühl. Er hätte vom ersten Moment an gefühlt, dass er Ratu 100% vertrauen könne.
Die Deutsche Gisela mischt sich ins Gespräch. Ratu sei ein ganz einfacher Mann mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Er hilft Dir, zu Deinem wahren Selbst zu finden.
Wir hätten den Kontakt zu uns selbst verloren, unter anderem durch unseren materialistischen Lebensstil, negative Gefühle und durch unser Ego.
Und Reinoud aus Holland erzählte mir später: Ratu hat mir über meine Scheidung hinweggeholfen, mich wieder mit den Füßen auf den Boden gebracht. Und ich habe durch ihn auch gelernt, mehr aus meinem Gefühl heraus zu leben.
Alles gut und schön. In meinem Kopf herrscht noch immer ein turmhohes ‘aber’.
Von der Seele aus zuhören
Ratu ist kein Mann großer Worte. Sein Englisch ist begrenzt und auch seine Aussprache machte es einem anfänglich nicht leicht, seinen ‘talks’ nach dem Schütteln zu folgen. Ich finde eine Handvoll Sätze zurück in meinen Aufzeichnungen.
‘Was ich sage, kann nicht durch die Vernunft begriffen werden’. ‘Darum ist es auch kein Problem, dass mein Englisch nicht gut ist. Ich spreche nicht Eure Vernunft, sondern Eure Seelen an.’ ‘Eure Vernunft/mind macht aus allem, was ich sage, doch wieder eine eigene Geschichte. Hört zu mit Eurer Seele. Lasst sie ihre Arbeit tun, denn sie ist Euer wahres Selbst. Eure Seele weiß, was gut für Euch ist.’
‘Achtet/liebt Euch, folgt einer positiven Grundeinstellung. Glücklichsein ist Euer Geburtsrecht.’ ‘Ich kann Euch dabei helfen. Ihr könnt mir vertrauen. Ihr und ich sind Eins.’ ‘Durch die Wiederholung des Mantras Om swastiastu Ratu Bagus verbindest Du Dich mit mir und bringst Du Dich in Einklang mit der kosmischen Energie, die alles mit Leben beseelt. So ladet Ihr Eure innere Batterie auf, Eure Lebensenergie, und so kann Eure Seele wachsen.
Andere Worte für diese Energie sind ‘heiliges Feuer’, Chi, oder Kundalini Energie. Dieses Feuer räumt Blockaden in Körper und Seele beiseite, wir sind alle mit dieser Energie verbunden, darum sind alle Menschen Eins.
Durch unsere Arbeit mit dieser Energie arbeiten wir deshalb zugleich auch an einer besseren Welt.
Und noch etwas betont Ratu immer wieder: Lachen. Er sagt, dass dadurch unsere Chakren geöffnet würden und so die Lebensenergie besser durch den Körper fließen könne. Lachen befreit von allem, was bedrückt, macht Dich bewusster und bringt Dich ins Paradies.
Denkerkopf
Meine Vorurteile bleiben allgegenwärtig. Mein Kopf streut Fragezeichen aus und fordert Erklärungen. Ich will verstehen, was ich fühle und um mich herum passieren sehe. Und von Ratu will ich keine Story im Telegrammstil, sondern eine schöne spirituelle Darstellung voller tiefsinniger Wahrheiten und das am liebsten angereichert mit Zitaten von berühmten Meistern.
Schalte Deinen Kopf doch mal aus, sage ich mir während einer der Sessions. Hör doch einmal auf, alles begreifen zu wollen. Wiederum werde ich abgelenkt, jemand ganz in der Nähe hat angefangen zu knurren.
‘Grrrooaauwww’ tönt es entschieden. Aber, Moment mal! Ich selbst bin es, der hier steht und knurrt. Dann fühle ich, dass mir etwas in die Hand gedrückt wird. Ratu verteilt Süßigkeiten. Er muss sie mit seiner speziellen Energie aufgeladen haben, denn kaum, dass ich das süße Ding in den Mund geschoben hatte, wurde es ruhig in meinem Kopf. Gleichzeitig strömte eine warme Energie von meinen Füßen aus nach oben. Mein Körper übernahm die Leitung. Dies also war ‘ im Fluss sein’. Ich bekam einen unkontrollierbaren Lachanfall, der von ganz tief innen kam.
Abends im Bett erst wird mir richtig klar, wie sehr mein Bemühen, alles rationell zu erklären, meine Kontakte mit anderen bestimmt. Deutlich erkenne ich, dass mein Denkerkopf sich der Hilfstruppen des Zynismus und der Überheblichkeit bedient.
Mit den Begleiterscheinungen des ewigen Vergleichens, Urteilens und des Ausdenkens von Spitznamen für Menschen, die ich komisch finde. Ich begreife, dass ich auf diese Weise den wirklichen Kontakt vermeide mit der Welt, die mich umgibt.
Dadurch, dass mein mind das Ruder in meinem Leben übernimmt ziehen sich mein Herz und meine Gefühle weiter und weiter zurück. Hellwach starre ich in die Dunkelheit. Dies fühlt sich echt an wie ein großer Dreckhaufen, mit dem es nun endlich aufzuräumen gilt.
Inspiration
Mit wackeligen Beinen infolge zu wenig Schlaf laufe ich den folgenden Morgen als einer der ersten in den Schüttelraum. Ich stelle mich ganz vorne auf direkt vor das große Photo von Ratu, und fange an zu schütteln.
Der Rythmus der Musik geht leicht über in den Rythmus des Mantras. ‘Om Swastiastu Ratu Bagus.’ Hilfe, da ist auch Frau Kreisch wieder. Sie steht sogar ganz in meiner Nähe. Ich fühle meinen Ärger wieder hochkommen. Während ich fortfahre, das Mantra zu wiederholen, sehe ich nach ihr, und sehe wie sie voller Hingabe in den Bewegungen ihres Körpers aufgeht. Sie bewegt sich geschmeidig und anmutig mit geschlossenen Augen. Ab und zu ruckt ihr Körper, als ob sich alle Muskeln unkontrolliert zusammenziehen. Direkt danach geht sie wieder vollkommen auf im Rythmus der Musik. In ihrem Gesicht zeigen sich Glück und Hingabe. Sie lacht und das klingt noch immer kreischend. Aber nun kommt keine Versuchung wegzulaufen in mir hoch. Ich würde sie lieber mit meinen Armen umfassen. Mein inzwischen wach gewordener mind schiebt da doch einen Riegel vor: ‘nur nicht gleich verrückt werden.’
Einen Tag später, während des sovielsten Shakes, fühle ich im einem bestimmten Augenblick, dass da jemand vor mir steht. Ich öffne die Augen und sehe in das lachende Gesicht Ratus. Er spitzt seine Lippen bewegt den Kopf mit einem kleinen Ruck nach vorn und pustet mich an. Ich fliege meterweit nach hinten.
Als ob ich ein Blatt Papier wäre, das plötzlich Spielball des Windes geworden ist.
Ich lande in jemandes Armen, der mir fröhlich lachend wieder auf die Beine hilft.
Energie strömt stark durch meinen Körper und gibt mir ein überwältigendes Gefühl von Glück, das durch die ganze Session anhält. Und noch lange danach.
Gegen Ratus Energie, gegen soviel Wahrhaftigkeit, verpackt in ein so strahlendes Lächeln, ist keine Skepsis gewachsen. Ich werfe meine letzten Reste Reserve über Bord und ergebe mich. Es fühlt sich gut an, in Ratus Nähe zu sein. Ich fühle einen Kitzel, wenn ich ihn ansehe. Und das Schütteln ist herrlich. Mein Körper fühlt sich weich an, wenn ich morgens um halb sechs aus dem Bett springen, und im Badezimmer begegne ich einem breiten Grinsen. Auf zum ersten Shake. Den ganzen Tag lang fühle ich mich vital und frei von dem Zwang zu zweifeln.
Als ich nach Amsterdam zurück kam, blieb das so. Nun ja, ehrlich gesagt, zweifel ich doch manchmal wieder ein bisschen. Nicht an Ratu, aber an mir selbst. Ich mit meiner hartneckigen Guruallergie, ich schließe diesen Mann so einfach in mein Herz? Es bedarf der Gewöhnung, aber es fühlt sich fantastisch an.
Und genauso ist es mit meinem neuen Mitgefühl, mir selbst gegenüber und gegenüber anderen, das mich in unbewachten Momenten komplett überrumpelt.
Text: Eugène Jacobs übertragen aus dem Holländischen von Susanne Rummert
Fotografie: Ashram Ratu Bagus
Ursprünglich erschienen in Happinez, Oktober 2009